Ausstellungsansicht 'NACH PICASSO', Forum Frohner, 2015  - Foto: Christian Redtenbacher
Ausstellungsansicht 'NACH PICASSO', Forum Frohner, 2015  - Foto: Christian Redtenbacher
Auf Spurensuche in der jungen österreichischen Kunst

Nach Picasso

10/05 - 27/09/2015

Pablo Picasso gilt als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Im Gegensatz zu früheren Künstlergenerationen scheint er bei vielen jüngeren Künstlerinnen und Künstlern aber keine unmittelbare Rolle mehr spielen. Gleichzeitig hat vieles, das uns heute in der Kunst als selbstverständlich und kanonisiert gilt, seinen Ursprung im 20. Jahrhundert und häufig bei Picasso. Die Ausstellung möchte weniger Künstlerinnen und Künstler vorstellen, die sich auf Picasso als Vorbild berufen, sondern vielmehr den unzähligen Spuren nachgehen, die er in der jungen österreichischen Kunst  immer noch hinterlässt. Malereien und Skulpturen, aber auch Fotografien, Installationen und Videoarbeiten von insgesamt 23 Künstlerinnen und Künstlern sind zu sehen, einige Arbeiten sind eigens für die Schau entstanden.

Picassos vielfältigen malerischen Experimente zwischen Figur und Abstraktion, seine revolutionäre Auffassung der Skulptur, sein Mut, ständig neue Wege einzuschlagen und sich stilistisch immer wieder neu zu erfinden, aber auch seine kämpferische politische Seite, seine Selbstinszenierung und sein Marketingtalent wirken bis heute nach. Der Einfluss ist zwar nicht mehr so unmittelbar erkennbar wie in der Generation eines Adolf Frohners oder Christian Ludwig Attersees, die z.B. in Paraphrasen direkt auf Picassos Werk Bezug nahmen, vieles aber, auf das Künstlerinnen und Künstler formal wie inhaltlich zugreifen, nahm bei Picasso seinen Ausgang. „Nach Picasso. Auf Spurensuche in der jungen österreichischen Kunst“ versucht aufzuzeigen, wie seine formalen und inhaltlichen Ideen in das Werk junger österreichischer Künstlerinnen und Künstler bewusst – etwa als Zitat oder auch Inspirationsquelle –, oft aber auch unbewusst Eingang gefunden haben. Die Bezüge und Parallelen zu Picasso sind dabei manchmal offensichtlich und gleich erkennbar, bisweilen aber auch versteckt und assoziativ. Eine Entdeckungsreise mit vermutlich einigen überraschenden Erkenntnissen.

Das Spektrum der zu sehenden Künstlerinnen und Künstler ist vielfältig und reicht von fragmentierten Landschaften von Alfons Pressnitz bis zu einer eigens für die Ausstellung entstandenen kubistischen Katzenskulptur („Pikatzo“) von Deborah Sengl, von fotografische Collagen von Nina Rike Spinger und Gabi Trinkaus bis zu feinteiligen Papierarbeiten von Iris Christine Aue und einer animierter Videohommage von Michaela Konrad.

Das Titelmotiv der Ausstellung, die Malerei „Fig. 1 (Gudrun)“, stammt von Bernhard Buhmann. Der Künstler entführt den Betrachter in eine nostalgische und skurrile Welt mit Versatzstücken aus Zirkus und Jahrmarktattraktion, mit geharnischte Ritter und Gaukler, Clowns und Schnurbartträger. Christian Bazant-Hegemark spielt in seinem malerischen Werk dagegen mit der Dialektik zwischen klaren, geometrischen Zeichen und weichen, figurativen Körperformen. Dass das Pferd in der Arbeit „Triumph“ an Tierdarstellungen Picassos denken lässt ist rein zufällig. Vielleicht aber auch nicht.

Die Rollen waren bei Picasso klar definiert: Hier der Maler, das künstlerische Genie, dort die weibliche Muse, das Modell. Dieses konservative Rollenverständnis gilt nicht mehr. Heute nehmen sich Künstlerinnen selbstbewusst das Recht, den Mann als Muse, als erotische Inspiration und Projektionsfläche für ihre Wünsche zu „benützen“. Eva Hradil malt ihn ihrer Werkserie „Männerlandschaften“ nackte Männer in romantisch verträumter Pose. Bei Karen Holländer tritt hingegen ihre Tochter Anna immer wieder als Modell in Erscheinung. Den Effekt der Mehrsichtigkeit und Vielschichtigkeit einer Figur setzt Holländer, ganz anders als im Kubismus, in dynamischen, eingefrorenen Bewegungsabläufe um, die an fotografische Körperstudien erinnern.

Kubistische Elemente finden sich in den malerischen Arbeiten von Christoph Schirmer sowie Martin Schnur, während der Maler Farid Sabha betont: „Picasso war und ist für mich eine bedeutende Inspirationsquelle – er hat die Formen auseinander gerissen und neu zusammengequetscht.“ Ähnliches gilt für die variationsreichen Porträts von Ekkehard Tischendorf. Die „Nasenkopfbüsten“ von Ronald Kodritsch sind flüchtig hingeworfene, manchmal ins groteske kippende Studien des menschlichen Gesichtes und gehören zu den Werken mit der größten Affinität für Picasso. Wenn Adolf Frohner in seiner Frottage noch ehrfürchtig von Picasso als „Chef“ gesprochen hat, ist es bei Kodritsch eine übermalte Fotopostkarte des spanischen Künstlers mit dem Titel „Selbst als Picasso“. Eine liebevolle Respektlosigkeit.

Michael Kienzer und Adele Razkövi experimentieren auf ganz unterschiedliche Weise mit alltäglichen, kunstfernen Materialen, um außergewöhnliche Skulpturen zu erschaffen (Industrieobjekte und Tierknochen). In einem Akt des gesteuerten Zufalls lässt der Karl Karner heißes Wachs ins Wasser rinnen und langsam erkalten, daraus gießt er Bronze- und Aluminiumskulpturen von rätselhafter wie düsterer Schönheit. Edith Payers „Le Demoiselles Sous Le Pont ist eigens für die Ausstellung entstanden. Die formal stark reduzierten Holzobjekte, partiell mit Textilelementen bekleidet, sind eine kritische Reflexion auf Picassos Gemälde „Les Demoiselles dʼAvignon“ (1907), insbesondere auf dessen offenkundige Anleihen aus der afrikanischen Kunst.

Bernadette Huber setzt häufig ihren eigenen Körper ein – als Medium und Bildträger, als vermarktbares Objekt und Träger von Werbebotschaften, so auch in der Fotoarbeit „Me, Myself and I“. Im Film „Le mystère Picasso“ (1955) malt der Meister vor laufender Kamera rund zwanzig Kunstwerke. Ähnlich die Videoanimation „I am I am not“ von Thomas Riess. Auch ihm kann man bei seiner Arbeit unmittelbar über die Schulter blicken. Der malerische und zeichnerische Prozess wird sichtbar, immer neue Bilder entstehen, die dann überarbeitet und übermalt werden. Picasso, als Marketinggenie ist schließlich Thema der interaktiven Arbeit von Hannes Egger. Eine Kopiermaschine steht bereit, und die Besucher werden aufgefordert, ihr Gesicht zu kopieren. Das Ergebnis ist eine Fotokopie mit der Unterschrift Picassos. So kann ein „Werk“ Picassos mit nach Hause genommen werden.

Kurator: Günther Oberhollenzer

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation, in der alle künstlerischen Positionen mit Abbildungen vorgestellt werden. Texte von Günther Oberhollenzer, Christian Bazant-Hegemark und Dieter Ronte.
Das Kunstbuch erscheint im Limbus Verlag, Innsbruck (Hardcover, 24 x 19 cm, 72 Seiten, 10,00 Euro, ISBN 978-3-99039-058-0).

Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung
Iris Christine Aue, Christian Bazant-Hegemark, Bernhard Buhmann, Hannes Egger, Adolf Frohner, Karen Holländer, Eva Hradil, Bernadette Huber, Karl Karner, Michael Kienzer, Ronald Kodritsch, Michaela Konrad, Edith Payer, Alfons Pressnitz, Adele Razkövi, Thomas Riess, Farid Sabha, Christoph Schirmer, Martin Schnur, Deborah Sengl, Nina Rike Springer, Ekkehard Tischendorf, Gabi Trinkaus