Ausstellungsansicht RAFFAEL RHEINSBERG. DIE SEELE DER DINGE, Kunstraum Stein 2013, Foto: Christian Redtenbacher
Ausstellungsansicht RAFFAEL RHEINSBERG. DIE SEELE DER DINGE, Kunstraum Stein 2013, Foto: Christian Redtenbacher
Die Seele der Dinge

Raffael Rheinsberg

18/05/2013 - 06/04/2014

Der Objekt- und Installationskünstler Raffael Rheinsberg (* 1943) arbeitet als Spurensicherer mit Gedächtnispotenzialen, die in physische Objekte eingeschrieben sind.

Als feinsinniger und analytischer Beobachter geht er durch die Welt und sammelt nach einer ihm eigenen Systematik Artefakte, die als memoriale Zeichen Zeugnis ablegen von der Geschichte spezifischer Orte.

Scheinbar unbedeutenden, übersehenen oder „aufgegebenen“ Fundstücken und Gegenständen aus dem Alltag sowie der industrialisierten Arbeitswelt entlockt er, ohne sie zu verändern, gerade dadurch Bedeutung, dass er sie aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang löst und über streng geometrische Anordnungen in den Bereich des Ästhetischen überführt.

Dabei agiert der Künstler in der Überzeugung, dass jedes noch so unscheinbare, vermeintlich nicht erinnerungswürdige Relikt der Vergangenheit über ein Arsenal gespeicherter Erinnerungen verfügt und damit Symbolwert besitzt. „Jedes Ding“, so Rheinsberg, „hat eine Seele.“ Vergangenes wird in diesen Spolien durch die Präsenz des Materials in die Gegenwart überführt und verlangt dem/der Betrachter(in) individuelle und kollektive Erinnerungskonstruktionen ab. So indizieren seine Installationen eine Relektüre unabgegoltener Vergangenheit in der Jetztzeit, die auch Kritik an den „Mythen“ der Gesellschaft entfalten kann.

Die Umgebung von Krems und Stein wird dergestalt zum Territorium für Rheinsbergs Erinnerungskulturprojekt, um „das Bild der Geschichte in den unscheinbarsten Fixierungen des Daseins, seinen Abfällen gleichsam festzuhalten.“ (Walter Benjamin)

Kurator: Hans-Peter Wipplinger