© Hubert Looser Foto: Mathias Brechbühl

Interview mit Hubert Looser zur Ausstellung Picasso - Gorky - Warhol

Mit der Ausstellung Picasso – Gorky – Warhol. Skulpturen und Arbeiten auf Papier. Sammlung Hubert Looser präsentiert die Kunsthalle Krems diesen Sommer eine der herausragenden europäischen Privatsammlungen, die Surrealismus, abstrakten Expressionismus, Minimal Art und Arte povera zum Schwerpunkt hat. Nach über 50 Jahren Sammeltätigkeit, gilt sie nun als abgeschlossen und die museologische Aufarbeitung und Präsentation der Sammlung stehen im Fokus.

Am ersten Tag der Ausstellung haben Sie die Möglichkeit sich mit dem ehemaligen Unternehmer und leidenschaftlichen Sammler Hubert Looser auszutauschen und bei einem gemeinsamen Rundgang durch die Ausstellung alles zu fragen, was Sie immer schon über das Sammeln wissen wollten. Zur Einstimmung haben wir Hubert Looser schon vorab einige Fragen gestellt. 

 

KUNST, Kaffee und Kipferl mit Hubert Looser und Florian Steininger
Sonntag, 01.07.2018
Mehr zur Expertenführung

 

 

Was war das erste Werk in Ihrer Sammlung? Und was hat Sie zum Kauf dieses Werks veranlasst?

 

Das war 1962 in Kambodscha, als ich mehrere Frottagen von einer antiken Reliefwand eines Angkor Wat Tempels erwarb. Ein Werk davon bildet den Einstieg in die Kremser Ausstellung. Mein Interesse für antike außereuropäische Kunst ist groß. Ich kombiniere vor allem asiatische Skulpturen gerne mit modernen und zeitgenössischen Kunstwerken aus meiner Sammlung.

 

Welche neuen Bezüge stellt die Ausstellung in der Kunsthalle Krems für Sie in Ihrer Sammlung her?

 

Besonders hervorgehoben wird in der Ausstellung das Verhältnis von renommierten mit weniger bekannten Künstlerinnen und Künstlern. So werden selbstverständlich meinen Schweizer Positionen aus dem Surrealismus und Informel große internationale Namen der Kunstgeschichte der Moderne gegenübergestellt. Die Kremser Ausstellung veranschaulicht den Werdegang meiner Sammlung von den 1960er-Jahren bis heute. Wie habe ich meinen Fokus auf die Kunst verändert? Wie hat sich mein Kaufverhalten geändert? Vom zuerst mehr regional Schweizerischen zum Internationalen zu kunsthistorisch Gewichtigem.

 

Welche Lieblingswerke aus Ihrer Sammlung stehen sich in der Ausstellung in Krems nun gegenüber? Gibt es Überraschungen?

 

Mit Schweizer Surrealisten begann ich zu sammeln. 30 Jahre später wollte ich Sie testen und ihnen bekannte Künstler gegenüberstellen. So stellte ich den Werken von Seligmann, Brignoni und Thomkins Werke der in Europa weniger bekannten Künstler Gorky und David Smith gegenüber. Die Überraschung war, dass die Unbekannten eine Aufwertung erfahren haben, indem sie sich behaupten und ergänzen.

 

Welches Werk würden Sie auf die bekannte „einsame Insel“ mitnehmen, müssten Sie sich für ein einziges entscheiden (und warum)?

 

Wahrscheinlich die Sylvette-Skulptur, weil sie zwei mir bekannte Lebensgeschichten in Erinnerung ruft: nämlich jene von Picasso und jene von dem Modell Sylvette. Außerdem ist diese Skulptur ein Meisterwerk von Picasso und gleichzeitig auch eine Zeichnung verbunden mit Malerei auf einer Blechplatte.

 

Sie pflegen Freundschaften mit einigen Künstler/innen, die in Ihrer Sammlung vertreten sind. Was schätzen Sie z.B. an der Arbeit von Fabienne Verdier, die extra für die Ausstellung in Krems eine neue Arbeit geschaffen hat?

 

Ich habe Fabienne Verdier vor zwölf Jahren kennengelernt, sie 2006 zu mir nach Zürich eingeladen und sie gebeten, mir Werke im Dialog mit Arbeiten meiner Sammlung zu malen. Ich habe alle fünf entstandenen Bilder von ihr erworben. Danach habe ich sie regelmäßig getroffen, sie auch beraten, und daraus ist eine enge Freundschaft entstanden. Noch nie bin ich einer künstlerischen Persönlichkeit begegnet, welche sich jedes Jahr in Frage stellt, neue Inspirationen findet und ihren Malstil entwickelt. Bei der neuersten Arbeit Walking Painting, die in Krems gezeigt wird, realisiert sie das Werk mit einem an der Decke festgemachten großen Farbtrichter und lässt die Farbe auf den Bildträger schütten.

 

 

PICASSO – GORKY – WARHOL
SKULPTUREN UND ARBEITEN AUF PAPIER
SAMMLUNG HUBERT LOOSER
01.07.–04.11.2018

Mit Werken von: Magdalena Abakanowicz, Jean-Charles Blais, Serge Brignoni, Anthony Caro, Eduardo Chillida, Le Corbusier, Martin Disler, Arshile Gorky, Philip Guston, Roni Horn, Jasper Johns, Yves Klein, Lenz Klotz, Willem de Kooning, Catherine Lee, Sol LeWitt, Brice Marden, Agnes Martin, Henri Matisse, Meret Oppenheim, A.R. Penck, Giuseppe Penone, Pablo Picasso, Walter Pichler, Arnulf Rainer, Mimmo Rotella, Dieter Roth, Sean Scully, Kurt Seligmann, Richard Serra, David Smith, Louis Soutter, Sophie Taeuber-Arp, Al Taylor, André Thomkins, Richard Tuttle, Cy Twombly, Bernar Venet, Fabienne Verdier, Andy Warhol und Hugo Weber.

 

Bildcredits:
Coverbild: Hubert Looser mit Pablo Picasso, Sylvette, 1954 © Succession Picasso / Bildrecht, Wien, 2018 Foto: Mathias Brechbühl

Sammlung Hubert Looser mit (v.l.n.r.): Arshile Gorky, Ohne Titel / Untitled, 1931/33, Tusche auf Papier / ink on paper, 64,8 x 92,7 cm
David Smith, Woman Music, 1944, Stahl und Lack / steel and varnish, 46 x 22,3 x 16,5 cm
David Smith, Ohne Titel / Untitled (Virgin Islands), 1933, Tusche auf Papier / ink on paper, 46,4 x 61 cm
© Bildrecht, Wien, 2018 Foto: Fondation Hubert Looser

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