Patricia Piccinini. Embracing the Future

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Patricia Piccinini ist eine Künstlerin, die von der Gesellschaft Verantwortung einfordert. Sie gestaltet eine künstlerische Welt, eine Zukunftsvision, die ganz im Zeichen der Offenheit gegenüber dem Wandel steht. Ihre Narrative bewegen sich dabei zwischen Science-Fiction, Umweltbewusstsein und Feminismus. So auch die Ausstellung Embracing the Future in der Kunsthalle Krems, die menschliche Empathie und würdevolle Haltung im Umgang mit dem Unbekannten thematisiert. In der monografischen Schau richtet die Künstlerin ihren Blick auf Lebensformen, die eine Abweichung von der Norm darstellen.

Die Zukunft mit den Augen der Künstlerin zu sehen, kann etwas irritierend sein. Ihr künstlerisches Universum beherbergt imaginäre Kreaturen, die sich den üblichen Kategorien Mensch, Tier, Natur oder Technik nicht unterordnen. Stattdessen nehmen sie als hybride Geschöpfe einen eigenen Platz in diesem Universum ein. Auf den ersten Blick erscheinen sie unheimlich, denn sie wurden durch neue technologische Möglichkeiten biologisch oder gentechnisch modifiziert. Ihr Charme und ihre Milde im Blick lassen jedoch urmenschliche Eigenschaften wie Fürsorge und Mitgefühl erkennen und alle negativen Assoziationen vergessen.

Mit ihren sinnlichen und komplexen Arbeiten stellt Piccinini mehrere Fragen auf: Wie nehmen wir uns selbst wahr, wie leben wir mit anderen zusammen und wie bauen wir Beziehungen auf? Wie antworten wir in einer Zeit, in der sich Natürliches und Artifizielles immer mehr verbindet, auf existentielle Fragestellungen über Dasein und Zugehörigkeit? Die einzigartige Ästhetik ihrer Skulpturen entführt uns in eine Welt der Koexistenz und Akzeptanz, in der tief verwurzelte Denkweisen der Kategorisierung von Mensch, Natur und Technik hinter sich gelassen wurden. Das, was unbekannt und auf den ersten Blick abschreckend wirkt, stellt sich letztendlich als viel weniger fremd heraus, als zunächst angenommen.

Die Arbeit „The Welcome Guest“ zeigt ein fremdartiges Wesen mit muskulösem Oberkörper, pelzigem Rücken und scharfen Krallen, das zu einem kleinen Mädchen ins Bett klettert. Was im ersten Moment erschreckt, stellt sich als eine magische und wundersame Szene heraus. Die Blicke, der sich gegenüberstehenden Wesen sind von Freude und Zärtlichkeit geprägt, als ob sie eine innige und vertraute Beziehung hätten. Ähnlich verhält es sich in der Arbeit „The Bond“ in der eine Frauenfigur ein hybrides Kind zärtlich in ihren Armen hält. Es kommt das Gefühl mütterlicher Zuwendung auf, obwohl die beiden Figuren nicht unterschiedlicher sein könnten. Wie trafen diese Kreaturen aufeinander und in was für einer Welt leben sie?

Mit diesen Arbeiten erforscht Piccinini die Gefühle, die in uns aufkommen, sobald wir mit Neuem oder Unbekanntem in Berührung kommen. Wie lassen sich unsere Reaktionen erklären, wenn wir mit diesen, auf den ersten Blick verstörend wirkenden Kreaturen, konfrontiert werden. Dabei interessiert sie sich insbesondere für visuelle Merkmale und Normen des menschlichen Körpers. Wieso nehmen wir bestimmte Eigenschaften als schön und vertraut wahr und wiederum andere als fremd, abnormal oder gefährlich? Mit diesen Fragen über Schönheit, Ausgrenzung und in abstrakter Form auch Rassismus, konfrontiert die Künstlerin das Publikum mit dem gegenwärtig omnipräsenten gesellschaftlichen Diskurs und bezieht gleichzeitig eine klare Position.

Die Ausstellung in Krems stellt einen retrospektiven Querschnitt des künstlerischen Schaffens von Patricia Piccinini dar. Die erste große Werkschau in Österreich zeigt Skulpturen und Installationen aus beinahe zwei Jahrzehnten künstlerischen Schaffens.

Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Institut für Kulturaustausch Tübingen und wurde bereits im ARKEN Museum für moderne Kunst, Kopenhagen und im Borås Kunstmuseum in Schweden gezeigt.


Kurator: Florian Steininger
 

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